Das Königreich Schottland wuchs vom 9. - 11. Jahrhundert aus vier Völkern zusammen: den Pikten im Norden und Osten, den
Schotten von Dal Ratia in Argyll, den Briten von Strathclyde und Cumbrien und den Angeln von Lothian.
Auf den Inseln und der Westküste kamen als weiteres Element noch die Norweger hinzu, die sich politisch jedoch nicht vollständig
assimilieren liessen.
Bei den Pikten handelte es es sich um die Bevölkerung des nordbritischen Raumes ausserhalb des IMPERIUM ROMANUMS.
Die Römer bezeichneten sie als Picti (Tätowierte). Ursprünglich hatte diese Bezeichnung für alle "barbarischen" Briten gegolten. Die einzelnen
Piktenstämme, die von den Römern unterschieden wurden, waren die Caledonii in Alba, die Dumnonii in Strathclyde, die
Novantae in Strathclyde, die Selgovae im Westen, die Verturiones im Süden und die Votadini in Cumbria.
Seit dem Ende des 3. Jh. wurden sie als Feinde des römischen Reichs erwähnt. Im frühen Mittelalter bildeten die Pikten ein starkes Reich
nördlich des Firth of Forth, alle Berichte über sie stammen aber von fremden Beobachtern, da sie selbst keinerlei Zeugnisse hinterlassen
haben ausser ihre Herrscherlisten, die beginnend um ca. 1010 vor Christus wohl erst ab 500 nach Christus glaubwürdig sind. Genauere
Berichte über die Pikten wurden durch ihre Christianisierung (im 5. Jh. durch den hl. Ninian und im 6. Jh. durch den hl. Columban von
Iona). Eine Besonderheit piktischer Rechtsgewohnheit war die königliche Erbfolge in weiblicher Linie. Diese "Kuriosität" hatte zum
Ergebnis, dass viele Piktenkönige im Mannesstamm Angeln, Briten und besonders oft Schotten waren, da piktische Prinzessinnen in die
königlichen Familien der Nachbarvölker einheirateten. Aber solange das Piktenreich bestand, hatte es eine bemerkenwerte Einheit und Stärke -
also eine solide Basis für das schottische Königtum.
Bei den Schotten handelt es sich im eigentlichen um die Iren, die von den Römern als Scotti bezeichnet wurden und im 4. Jh.
Siedlungen in Wales, Cormwall und besonders in Argyll und den benachbarten Inseln gründeten. Gegen Ende des 5. Jh. errichtete die Dynastie
Dal Riata von Antrim aus in Argyll ein Fürstentum gleichen Namens. An seiner Nordgrenze gründete der hl. Columban 565 das Kloster Iona und
weihte dort den König Aedan (574-606), mit dem die grosse Zeit von Dal Riata einsetzte. Er drang bis zu den Orkneys und ins Tal des
Forths vor, musste aber vor den sich nach Norden ausdehnenden Angeln zurückweichen. Sein Enkel Domnall I. Brecc (630-643)
unterstützte seine Verbündeten in überstürzten Kriegen und wurde dadurch 637 in die militärische Katastrophe von Mag Roth
(in Down/Nordirland) gerissen. Er fand wenige Jahre später den Tod, als er gegen die Briten aus Strathclyde ins Feld zog.
Für Dal Riata begann damit ein gewisser Niedergang, obgleich sich die Ausstrahlung der Kirche von Iona bei Pikten und Angeln noch
verstärkte. Verschärft wurde der Niedergang durch lange Kämpfe mit den Angeln und auch Ionas grosse Zeit schien mit der Synode von
Whitby (663/664) zu Ende zu gehen. Der Einflusss der Pikten im Skotenreich Dal Riata stieg bedrohlich an.
Brude III. Mac Bile (672-693), König der Pikten, schaffte es, das Piktenreich bis zu den Orkneys zu vereinigen und die Angeln,
die sich nach Norden ausgedehnt hatten, bis zur alten Grenze am Forth zurück zu treiben.
Mit seiner Regierung begann eine Zeit piktischer Herrschaft. Nechtan (Mac Derile, 706-729) übernahm die römische Kirchenorganisation
und vertrieb den hl. Columban aus dem Piktenreich, obwohl Iona sich auch zu diesem Schritt bereitfand. Angus I. Mac Fergus, sein
Nachfolger gründete das Bistum St. Andrews. Unter Angus' Königsherrschaft erreicht die Piktenmacht ihre grösste Ausdehnung. Ihm gelang es,
Dal Riata unter seine direkte Abhängigkeit zu bringen. Gegen Ende des 8. Jh. war deren einheimisches Fürstenhaus beinahe dem Erlöschen nahe.
Es herrschten sogar mehrere Piktenkönige unmittelbar über Dal Riata. Bezeugt sind hier insbesondere Konstantin I.
(Mac Fergus, 789-820) und sein Bruder Angus II. (Mac Fergus, 820-834). Durch diese politische Verschiebung erfolgte
allerdings eine Gälisierung der Pikten. Nachdem Iona von den Wikingern 802 und 806 verwüstet wurde, verlegte Konstantin die neue
Hauptkirche nach Dunkeld. Sie sollte für die nächsten Jahre die Hauptkirche des vereinigten Königreichs werden. Trotzdem konnte sich das
Haus Dal Riata behaupten.
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