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Robert I., The Bruce (1306-1329)
Als Reaktion auf die Vorgänge in Schottland schickte Edward eine starke, englische Armee unter Aymer de Valence nach Schottland. Bei Methven wurde Robert am 26. Juni vernichtend geschlagen. Über Nacht war Robert ein gejagter Vogelfreier und hielt sich in den folgenden Monaten auf den inneren Hebriden versteckt. Edward ließ aus Zorn über den "Verrat" Roberts zwei seiner Brüder hinrichten - einer der beiden war der Dekan von Glasgow. Im Frühjahr 1307 konnte Robert nach Schottland zurückkehren, fand aber sein Land im Chaos vor. Trotzdem erreichten er und seine Anhänger Palmsonntag 1307, ein Jahr nach Roberts Krönung, einen ersten Sieg: eine erfolgreiche Guerillaaktion bei Glentrool und ein Gefecht am Loudon Hill. Edward führte nun selbst eine große Armee nach Schottland, um Robert zu bezwingen. Aber Edward, der zu diesem Zeitpunkt bereits todkrank war, sollte den Ausgang des Feldzuges nicht mehr erleben. Am 7. Juli 1307 verstarb er in Burgh on Sands.
Edwards Sohn Edward II. gab den Feldzug auf und zog sich nach England zurück, da er durch Probleme im eigenen Land ständig in Anspruch genommen wurde. Da seine Position nun etwas sicherer war, konnte Robert die Untätigkeit Englands nützen, um nun gegen die Gegner im eigenen Land vorzugehen. Er besiegte die Comyns und ihre Verbündeten in zwei Feldzügen und konnte seine Position in Schottland weiter ausbauen. Die Wars of Independence waren mittlerweile sowohl ein "patriotischer" Kampf gegen England, als auch ein Bürgerkrieg gegen die innenpolitischen Gegner Roberts. Die innenpolitischen Probleme Edwards II. nutzte Robert, um seine Position in Schottland weiter zu konsolidieren. Jedes Vorgehen gegen England konnte erst dann erfolgen und nicht sofort zum Scheitern verurteilt sein, wenn die Gegner im eigenen Land zu keiner Opposition mehr fähig waren. 1309 konnte Robert in einem Parlament in St. Andrews eine weitere Konsolidierung seiner königlichen Autorität erreichen, da der schottische Klerus und die Vertreter des Adels offiziell den Anspruch des Hauses Bruce auf den Thron und Roberts Königtum bestätigten.
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| Kampf gegen England |
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Die Erfolge erlaubten Robert, die letzten englischen Besatzungen aus den Festungen in Edinburgh, Perth, Dundee, Dumfries und Roxburgh zu vertreiben und sogar Nordengland zu verwüsten. Es war für Edward II. unumgänglich, gegen Schottland militärisch vorzugehen, da er nicht mehr in der Lage war, die nördliche Grenze Englands zu schützen. Als die Schotten Stirling belagerten, musste Edward reagieren. Er setzte eine große und gründlich ausgerüstete Armee in Marsch, um Stirling entsetzen zu können. Am 24. Juni 1314 erwartete die schottische Armee die Engländer beim kleinen Bach Bannock südlich von Stirling. Die Schlacht bei Bannockburn hatte einen besonderen Charakter. Dies war eine der wenigen Schlachten, in der eine schottische Armee eine englische schlug, die größer als die schottische war und dazu noch vom König von England angeführt wurde. Die Schlacht bei Bannockburn war insofern auch eine Besonderheit, da die schottische Armee zum größten Teil aus Fußtruppen bestand, die in sogenannten schiltrons organisiert waren, kaum über Kavallerie verfügTe und auch keine gleichwertigen Bogenschützen aufweisen konnte. Die englische Armee, die von König Edward II. nach Norden geführt wurde, wird auf 22 000 Fußsoldaten und dazu noch etwa 2000 Reiter geschätzt. Dagegen hatte Robert the Bruce nur etwa 6000 Mann und 500 leicht Berittene zur Verfügung.
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Mehrere Faktoren begünstigten die Schotten. Erstens war die Aufstellung der schottischen Armee entscheidend für den Ausgang der Schlacht, da die englische Armee in ihrem traditionellen Vorgehen behindert wurde und nicht wie in Falkirk oder Courtrai ihre volle Kraft gegen den Gegner werfen konnte. Außerdem wird auch König Edward II. für die Niederlage der Engländer verantwortlich gemacht, da er, nicht im Besitz des taktischen Könnens seines Vaters, durch seine Unerfahrenheit den Ausgang der Schlacht beeinflusste.
Der Erfolg bei Bannockburn erlaubte Robert, seine Strategie zu ändern. Aus den Überfällen wurden jetzt größere Invasionen nach Nordengland und die Möglichkeit, auf Carlisle und Berwick massiven Druck auszuüben. Auch eine Invasion Irlands schien jetzt möglich zu sein.
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Seit April 1318 hatte sich die Lage Englands entscheidend geändert. Den Schotten gelang es, Berwick zurückzuerobern. Alle englischen Versuche, die Stadt zurückzuerobern scheiterten. Währenddessen musste Edward II. weitere Niederlagen hinnehmen. Die Schotten waren in der Lage, in Myton in Yorkshire ein englisches Heer zu schlagen und gleichzeitig in Westmoreland Überfälle zu starten. England war weder in der Lage, die Schotten zu schlagen, noch in der Position, um die sich immer schneller wiederholenden Überfälle zu beenden. Dennoch bestand für Schottland immer noch die große Gefahr eines englischen Gegenangriffs, der seinerseits den Süden Schottlands hätte verwüsten können. Auch die Situation Roberts war nicht einfach. England erkannte ihn nicht als König von Schottland an und seine Dynastie war nicht gesichert, da er keinen männlichen Erben hatte und seine älteste Tochter Marjorie 1317 gestorben war. Zusätzlich wurde seine Situation durch innenpolitischen Druck ehemalige Anhänger von John Balliol und den Comyns verstärkt. Deshalb war Robert erstens auf einen dauerhaften Frieden mit England angewiesen, um seine Position in Schottland weiter stärken zu können und zweitens war eine internationale Anerkennung seines Königtums notwendig.
Jedoch scheiterten alle Versuche, mit England einen Ausgleich zu erzielen. Auch eine Anerkennung seines Königstitels war nicht zu erwarten. Seit 1317 unternahm Papst Johannes XXII. Versuche, um zwischen beiden Ländern einen Waffenstillstand zu vermitteln. Ein Grund für seine Vermittlungsversuche war wohl das Vorhaben des Papstes, einen neuen Kreuzzug zu organisieren.
Das Verhältnis zwischen Robert the Bruce und der römischen Kirche war nicht einfach. Da Robert zu Beginn des Jahres 1306 seinen Hauptkonkurrenten um die Krone in einer Kirche eigenhändig umgebracht hatte, war er exkommuniziert worden. Daher fand auch sein Königtum in Avignon keine Anerkennung. Seit den Vermittlungsversuchen von Papst Johannes verschärfte sich die gespannte Lage. Der englische König unternahm alles, um sich als guten Christen darzustellen, der gegen die "gottlosen, schottischen Rebellen" kämpfen musste. Johannes XXII. war nicht wie sein Vorgänger Clemens V. von vornherein auf der Seite des englischen Königs. Doch von welchem Papst konnte erwartet werden, mit Wohlwollen die Sache eines Mannes zu unterstützen, der in einer Kirche einen Mord begangen hatte und der sich weigerte, päpstliche Legaten zu empfangen.
Tatsächlich waren im August oder September des Jahres 1317 zwei päpstliche Legaten in Schottland angekommen, die König Robert mit allen Ehren empfangen liess. Die beiden Legaten übermittelten die Forderung des Papstes, nach der die Schotten einen zweijährigen Waffenstillstand mit England eingehen sollten. Zwar bestand bei König Robert der Wunsch nach einem dauerhaften Frieden mit seinem südlichen Nachbarn, jedoch weigerte er sich, mit den beiden Legaten weiter zu verhandeln, da sie ihn lediglich als "Gouverneur von Schottland" bezeichneten und nicht als König von Schottland. Robert erwiderte den beiden Legaten, er müsse sich aus diesem Grund erst mit seinem gesamten Rat und seinen Lords beraten, um das weitere Vorgehen in dieser Sache zu planen. Aus diesem Grund weigerte sich Robert auch, päpstliche Bullen in Schottland zu empfangen. Auch darin wurde er nicht mit seinem königlichen Titel angesprochen. Tatsächlich finden sich in unterschiedliche Anredeformen in den päpstlichen Bullen, die nach Schottland gesandt wurden. Beispielweise wird König Robert in einem Brief des Papstes an seine päpstlichen Nuntien vom 29. Dezember 1319 als dilectum filium Nobilem virum Robertum de Brus, Regnum Scotiae nunc regentem bezeichnet. In einem weiteren Brief findet man die Anrede Robertus de Brus, tunc Regnum Scotiae gubernator. Schließlich erhält Robert in einem Brief Auskunft darüber, weshalb ihm die Anerkennung seines königlichen Titels vom Heiligen Stuhl verweigert wird. In diesem Dokument wird er sogar als Dilecto filio Roberto dicenti se Regem Scocie, et gerenti pro Rege bezeichnet. Da Robert die päpstlichen Bullen nicht als für ihn gültig anerkannte, hielt er sich nicht an die Forderungen des Papstes. Deshalb ignorierte er den Waffenstillstand und eroberte Berwick zurück, das seit 1296 im englischen Besitz war.
Mit der Eroberung Berwicks hatte Robert den Papst unter MissachtUng der Vermittlungsversuche zusätzlich herausgefordert. Die Reaktion auf Roberts Verhalten war voraussagbar. Papst Johannes erhob nun seine Stimme lauter gegen König Robert, sei es als Folge der letzten Vorkommnisse, oder vielleicht weil König Edward II. in Avignon die Notwendigkeit des Waffenstillstandes unterstrich, der aber von den Schotten nicht eingehalten wurde. Die Folge war die erneute Exkommunikation des schottischen Königs, ein päpstliches Interdikt, das über das gesamte Land verhängt wurde, ein Verbot für alle Anhänger Roberts und deren Verwandte bis zum zweiten Grad, ein geistliches Amt zu besetzen und die Auforderung an englische Kardinäle, Roberts Untertanen von ihrem Treueid zu entbinden. Mit einer Bulle vom 18. November 1319 begann Papst Johannes auch Druck auf die schottische Kirche auszuüben. Die Bischöfe von St. Andrews, Dunkeld, Moray und Aberdeen wurden dazu aufgefordert, bis zum 1. Mai 1320 persönlich in Avignon zu erscheinen. Auch Robert erhielt eine solche Aufforderung. Wie die Bischöfe erhielt auch er die Zusicherung freien Geleits, weigerte sich aber, vor dem Papst zu erscheinen . Gleichzeitig wurden verschiedene englische Bischöfe dazu aufgefordert, alle Eindringlinge, die in England einfielen, sofort zu exkommunizieren - gemeint waren hier eindeutig die Schotten - und jeden Sonntag und an allen Feiertagen die Exkommunikation Roberts wegen des Mordes an John Comyn zu wiederholen.
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| Die Declaration of Arbroath |
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Der Druck, der auf König Robert I. lastete und der sich durch die große Anzahl an päpstlichen Bullen und Strafen ständig verstärkte, verlangte nach einer schottischen Erwiderung. Grant Simpson zeigte (SIMPSON, GRANT G.: The Declaration of Arbroath revitalised. In: The Scottish Historical Review 56. Aberdeen 1977. S. 11-33.), dass die Flut der päpstlichen Briefe, die zwischen November 1319 und Januar 1320 nach Schottland gesandt wurden, zwischen Januar 1320 und März des selben Jahres ihr Ziel erreichten. Als Reaktion auf diese Vorgänge wurden Ende Mai 1320 drei Briefe an Papst Johannes gesandt. Einer der Briefe trug den Namen des Königs als Absender, der zweite den des Bischofs Lamberton von St. Andrews und anderer schottischen Bischöfe. Beide Briefe sind verloren gegangen, lediglich die päpstlichen Antwortschreiben sind erhalten.
Der dritte Brief wurde im Namen der Earls, Barone, Grundbesitzer und der gesamten "Community of the Realm of Scotland" an Papst Johannes XXII. gesandt. Dieser Brief der Barone hat die Zeiten überstanden und wird volkstümlich als "Declaration of Arbroath" bezeichnet. Es ist sehr wahrscheinlich, dass alle drei Briefe die Folge einer politischen Entscheidung des Königs waren. Unwahrscheinlich scheint, dass die Briefe unabhängig voneinander entstanden sind.
Der Inhalt der Declaration of Arbroath dürfte im März 1320 in der Abtei Newbattle während einer Versammlung des königlichen Rates besprochen und gebilligt worden sein.
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Die Declaration of Arbroath ist neben der Schlacht von Bannockburn einer der Höhepunkte der schottischen Wars of Independence. Manche Historiker und vorallem die Öffentlichkeit sehen in der Declaration of Arbroath eine Formulierung der nationalen Unabhängigkeit Schottlands oder sogar ein konstitutionelles Programm der politischen Elite Schottlands. Die Forschung hat aber gezeigt, dass es sich bei der Declaration of Arbroath nicht um eine schottische Unabhängigkeitserklärung handelt, sondern um ein Propagandaschreiben im königlichen Auftrag, das dem Unabhängigkeitskampf gegen England eine politische Legitimation verschaffen und auf die Rechtmäßigkeit des Königtum von Robert I. verweisen sollte. Die Declaration of Arbroath ist in erster Linie aus einer diplomatischen Notwendigkeit heraus entstanden und nicht bei einer mutmaßlichen Zusammenkunft von schottischen Adligen in Arbroath formuliert worden, die mit dem Brief ihre Freiheit und die Grundzüge einer konstitutionellen Idee ausdrücken wollten.
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| Frieden mit England |
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Neben den Vorgängen innerhalb Schottlands wurde die Notwendigkeit eines Friedensschlusses mit England nicht vergessen. Nachdem der Papst Edward II. zu Verhandlungen über einen dauerhaften Frieden aufgefordert hatte, kam es zwischen März und April des Jahres 1321 zu Friedensgesprächen in Bamburgh bei Berwick. Die Friedensgespräche führten aber zu keiner Annäherung der verfeindeten Parteien. Dies war beiden Seiten zuzuschreiben, da sie sich mit überzogenen Argumenten gegenseitig vor den Kopf stießen und die Legitimität der jeweiligen Königshäuser anzweifelten. Da in Bamburgh kein Friedensvertrag zustande gekommen war, gingen beide Seiten wieder zu ihrer üblichen Politik über, die sich in gegenseitigen Beschuldigungen und Überfällen äußerte.
Im Januar 1322, kurz nach Ende des zweijährigen Waffenstillstandes, überkehrten schottische Truppen die Borders und begangen damit, Teeside zu plündern. Sie trafen auf keinen nennenswerten Widerstand, da der englische König sich mit einer Adelsrevolte auseinandersetzen musste, die am 16. März 1322 in der Schlacht von Boroughbridge ihren Höhepunkt fand. Edward II. konnte hier seine Gegner, vor allem Earl Thomas of Lancaster, entscheidend schlagen. Die Konsolidierung der königlichen Gewalt in England gab Edward II. genug Selbstvertrauen, um von August bis September 1322 einen Feldzug nach Schottland zu unternehmen, der gleichzeitig sein letzter werden sollte. Der Feldzug hatte beinahe ein so verhängnisvolles Ende wie 1314 der Zug nach Bannockburn.
Die Schotten hatten in Südschottland alle bedeutenden Nahrungsspeicher und die Felder niederbrennen lassen. Auch der Viehbestand wurde in andere Regionen fortgetrieben. Gleichzeitig überfiel König Robert mit einer kleinen Streitmacht Nordengland und verwüstete weite Landstriche. Die englische Armee musste sich unter großen Verlusten wieder nach England zurückziehen, da sie keine Erfolge vorweisen konnte und ihre Versorgung nicht mehr gesichert war. Im Oktober fiel König Robert erneut in England ein.
Diesmal stießen die Schotten bis nach Yorkshire vor und konnten am 20. Oktober in der Schlacht von Byland die englischen Truppen auf englischem Boden schlagen. Wie nach der Schlacht von Bannockburn musste Edward II. nach Süden flüchten und war gezwungen, sein gesamtes Gepäck zurückzulassen. Aber auch diese Erfahrungen änderten die Einstellung König Edwards II. nicht. Die folgenden Friedensverhandlungen wurden durch die englische Seite von vornherein gestört, weil Edward immer noch nicht bereit war, Schottland als unabhängiges Königreich anzuerkennen. Er begann die Friedensverhandlungen mit einem Brief, der an "das Volk von Schottland" gerichtet war, wohingegen der königliche Rang von Robert keine Anerkennung fand. Die Verhandlungen scheiterten aber nicht nur am Stolz des englischen Königs, sondern auch daran, dass die Engländer im Süden den Problemen ihrer Landsleute an der Schottischen Grenze und im übrigen Norden mit einer gewissen Gleichgültigkeit gegenüberstanden.
Da der Friedenschluss mit England durch die starre Haltung des englischen Königs nicht in greifbare Nähe rückte, fanden die nächsten Verhandlungen ohne Wissen des englischen Königs statt. Im Januar 1323 verhandelte Andrew Harcla, der Earl of Carlisle, mit König Robert über einen Waffenstillstand, in dem Schottland sich bereiterklärt hatte, Nordengland von weiteren Überfällen zu verschonen und zusätzlich 40 000 Marks zu entrichten. Im Gegenzug wurde lediglich verlangt, dass die schottische Unabhängigkeit anerkannt werden sollte. Doch Edward war immer noch nicht bereit, Robert als König anzuerkennen. Und Harcla wurde wegen seiner Anmaßung, Verhandlungen mit Feinden Englands zu führen, hingerichtet. Es ist nicht klar, ob Harcla die Verhandlungen führte, weil er den Norden Englands von den immer öfters wiederkehrenden schottischen Überfällen befreien wollte, von denen er als Earl of Carlisle besonders betroffen war, oder weil er sich aus den Verhandlungen mit König Robert selbst Nutzen versprach. Jedenfalls ging Edward II. auf diese Möglichkeit zum Frieden nicht ein und liess Harcla hinrichten.
Trotzdem wurde im Mai 1323 in Bishopthorpe ein zwölfjähriger Waffenstillstand geschlossen. Ein Friedensvertrag, der die Verhältnisse zwischen den beiden Königreichen regeln sollte, kam aber nicht zustande, da König Edward II. das Königtum von Robert I. nach wie vor nicht anerkennen wollte. Dennoch sollte der Friedensvertrag eine gute Atmosphäre für Friedensgespräche im folgenden Jahr in York schaffen. Ein wichtiger Punkt in diesem Einvernehmen war die englische Bereitschaft, die Schotten nicht daran zu hindern, von Papst Johannes Absolution und eine Aufhebung des Interdikts zu erreichen. Dieser Punkt war eine wichtige Vorbedingung für eine Anerkennung der Unabhängigkeit Schottlands gewesen, der aber noch nicht erreicht werden konnte. Das Interdikt war zwar aufgeschoben worden, aber noch nicht endgültig beseitigt.
Gegen diesen Punkt des Einvernehmens verstieß Edward II. schon kurze Zeit später, indem er zu Beginn des Jahres 1324 eine Gesandtschaft zu Papst Johannes schickte, die den Papst davon zu überzeugen hatte, dass die früheren Verurteilungen der Schotten wieder aufgenommen und, wenn möglich, sogar verstärkt werden sollten. Tatsächlich weigerte sich der Papst 1325 der Bitte König Roberts I. nachzukommen und sein Königreich vom päpstlichen Interdikt und der Exkommunikation zu befreien, aber Robert erhielt die Anerkennung seines königlichen Titels.
Schon 1323 war Thomas Randolph, der Earl of Moray, nach Avignon an den päpstlichen Hof gereist, um dort eine Anerkennung König Roberts zu erlangen. Der Papst willigte ein und schrieb am 13. Januar 1324 König Edward II., dass er, um den Frieden näher zu bringen, Robert the Bruce als König von Schottland anerkennen würde. Doch die Exkommunikation und das päpstliche Interdikt wurden nicht von Schottland genommen. Barrow nimmt an, dass Robert I. in den Waffenstillstand nur eingewilligt hat, da er sich daraus ein beständigeres Abkommen erhofft hatte. Edward II. unternahm aber weiterhin nichts, um einen dauerhafteren Frieden einzugehen, sondern suchte nach seiner Gesandtschaft von 1323 an Papst Johannes weitere Möglichkeiten, um den Kampf gegen Schottland weiterzuführen.
Im Juli 1324 befahl Edward II. Edward Balliol, den Sohn von König John I., an seinen Hof. Balliol hatte seit dem Tod seines Vaters 1313 in den Stammländereien seiner Familie in der Picardie gelebt. Wahrscheinlich sah Edward II. in ihm ein geeignetes Werkzeug, um König Robert I. zu stürzen. König Robert I. antwortete auf diese Vorgänge mit einer Erneuerung des schottischen Bündnisses mit Frankreich. Im April 1326 wurde in Corbeil ein Bündnis beschlossen, in dem beide Seiten festlegten, sich gegenseitig militärische Hilfe gegen den König von England zu leisten. Es war klar, dass ein dauerhafter Friede nicht mit Edward II. als König geschlossen werden konnte. Als Edward II. kurz darauf von seiner Frau Isabella und deren Geliebten Mortimer entthront wurde, geschah dies nicht, um endlich den Frieden zwischen beiden Ländern zu erzwingen. Nun war allerdings die Möglichkeit geschaffen, um die Gegensätze zwischen beiden Ländern auszuräumen.
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| Der Vertrag von Edinburgh 1328 |
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Die Möglichkeit, den Krieg zwischen Schottland und England zu beenden kam in greifbare Nähe, als Edward II. zugunsten seines Sohnes Edward III. abgesetzt wurde. Der neue englische König stand zu Beginn seiner Regierung noch stark unter dem Einfluss seiner Mutter Isabella und ihres Geliebten Roger Mortimer. Sein Vater Edward II. hatte, neben seinen anderen politischen Problemen und vielen Fehlern, sich halsstarrig geweigert, das Königtum Roberts I. anzuerkennen. Zwar wurde im Mai 1323 in Bishopthorpe ein zwölfjähriger Waffenstillstand geschlossen, doch ein Friedensvertrag, der die Verhältnisse zwischen den beiden Königreichen regeln sollte, kam nicht zustande, da König Edward II. von seiner Haltung, das Königtum von Robert I. nicht anerkennen zu wollen, nicht abwich. Diese Haltung kann man gut in der Hinrichtung von Andrew Harcla erkennen. Erst nachdem Edward II. durch seinen Sohn ersetzt wurde, kam ein möglicher Friedensschluss zwischen Schottland und England näher. Edward II. wurde am 20. Januar 1327 abgesetzt und schon am 1. Februar wurde sein Sohn Edward III. zum neuen König von England gekrönt. Die neue englische Regierung hatte großes Interesse daran, den Waffenstillstand von 1323 neu zu bekräftigen. Aber da der Friedensvertrag von Edward II. seit 1323 mehrere Male gebrochen wurde, versuchten nun die Schotten, die augenblickliche Schwäche der neuen englischen Regierung zu nutzen.
Am 15. Juni 1327 überschritt ein großes schottisches Heer die Borders und plünderte in den kommenden Wochen Nordengland, ohne auf großen Widerstand zu treffen. Königin Isabella und Mortimer waren nun gezwungen, mit Robert I. Gespräche über einen dauerhaften Frieden zu führen, da der innenpolitische Druck auf sie sehr stark anstieg. Sie beauftragten Henry Percy, den Lord of Alnwick, damit, Vorverhandlungen für einen dauerhaften Frieden zu beginnen. Die Punkte, die später in den Vertag von Edinburgh aufgenommen wurden, wurden bis Oktober 1327 in Nottingham verhandelt und von beiden Königen akzeptiert.
In Edinburgh wurde schließlich im März 1328 der Friedensvertrag beschlossen, der im Mai 1329 auch in einem englischen Parlament in Nordhampton ratifiziert wurde. Es schien, dass mit dem Vertag von Edinburgh eine Wiederannäherung der anglo-schottischen Verhältnisse unternommen werden sollte. Im Vertrag selbst wurde den Schotten eine Summe von 20 000 £ Sterling als Reparationszahlung auferlegt, da sie ja über zwanzig Jahre lang immer wieder nach Nordengland eingefallen waren. In den Verhandlungen mit Harcla 1323 hatte sich Robert bereit erklärt 40 000 Marks (etwa 27 000 £ Sterling) für die Anerkennung der schottischen Unabhängigkeit zu bezahlen. Diese Summe wurde zwar etwas reduziert, war aber bei einem geschätzten jährlichen Einkommen der Krone von 15 000 Marks immer noch sehr großzügig. Im Gegenzug erkannte England durch diesen Vertrag Schottland als ein unabhängiges Königreich und Robert I. als dessen rechtmäßigen König an:
"Firsty, that good peace, final and perpetual, be between the said kings, their heirs and sucessors, and their kingdoms and lands, and between their subjects and peoples, on the one part and the other[...];"
und: "[...] that all writs, obligations, instruments and other muniments touching the subjection of the people or of the land of Scotland to the king of England, the which are annulled and voided by the letters of the said king of England, and all other instruments and privileges touching the freedom of Scotland that can be found in good faith with the king of England, be given up and restored to the foresaid king of Scotland at the earliest that they can well be, according as they shall be found, so that of this delivery there be made an identure of each writ, obligation, instrument and muniment that shall be delivered."
Der Vertrag sah weiterhin vor, dass Roberts Sohn David und Joan, die sieben Jahre alte Schwester von Edward III. heiraten sollten, um den Friedensvertrag zu bekräftigen. Obwohl beide noch minderjährig waren, wurden sie am 12. Juli 1328 in Berwick verheiratet. König Robert I. war selbst bei dieser feierlichen Zeremonie nicht zugegen. Barrow führt dies auf zwei mögliche Gründe zurück. Entweder wurde Robert the Bruce von seiner fortschreitenden Krankheit daran gehindert, nach Berwick zu reisen, oder er wollte aus förmlichen Gründen nicht in Berwick erscheinen, da er fürchtete, eingezogene Güter an englische Barone zurückerstatten zu müssen.
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| Krankheit und Tod |
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Robert I. wurde als König von Schottland anerkannt und die Wars of Independence hatten ein erstes Ende genommen. Doch Robert selbst war schon todkrank und starb bald darauf am 7. Juni 1329 in Cardross. Es heißt häufig, dass Robert the Bruce an Lepra starb, aber durch die mangelnden Quellen kann keine sichere Diagnose gestellt werden. Die letzten Zweifel konnten nicht ausgeräumt werden, aber Roberts Krankheit wurde das erste Mal am 12. Juli 1327 erwähnt, als er sich gerade in Ulster aufhielt. In den kommenden Jahren nahm Robert am Parlament in Edinburgh 1328 teil und pilgerte 1329 noch nach Windhorn. Auch gibt es keine Aufzeichnungen, dass Robert in den letzten Jahren von seiner Familie, seinen Freunden oder auch nicht von ausländischen Diplomaten getrennt worden ist.
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David II. (1329-1371)
Nach dem Tode König Roberts I. wurde sein Sohn David II. zu seinem Nachfolger bestimmt. Da dieser aber erst fünf Jahre alt war, wurde Thomas Randolph, der Earl of Moray, zum Guardian von Schottland ernannt. Der Earl wurde, wie schon gezeigt wurde, nicht nur in der Declaration of Arbroath genannt, sondern war auch Zeit seines Lebens eine Stütze der königlichen Position gewesen. Außerdem war er der Neffe König Roberts und so die erste Wahl. Dennoch konnte er dieses Amt nicht lange Ausüben, da er schon im Juli 1332 starb. Zum Nachfolger von Thomas Randolph wurde Donald, der Earl of Mar. Wahrscheinlich wurde er nicht aufgrund seiner Fähigkeiten für dieses Amt ausgewählt, sondern weil er als Cousin des Königs der nächste männliche Verwandte war. Auch er blieb nicht lange Guardian, da er schon bald getötet wurde. Das Königreich Schottland befand sich in einer ähnlichen Situation wie beim Tode König Alexanders III. und wieder versuchte die englische Krone, ihren Einfluss in Schottland zu vergrößern.
Bereits ein Jahr später kam es zu einer Rebellion schottischer Adliger gegen David. Es waren dieselben Männer, die bereits gegen Robert Bruce und für
England gekämpft hatten. Der neue König Edward III. hatte nur wenig Überredungskünste aufbringen müssen, als er die Adligen zur Rebellion
anstachelte. Die Situation für das Königtum von David II. hatte sich weiter verschlechtert, nachdem Edward Balliol, der Sohn König Johns I., einen Aufstand in Galloway anzettelte und sich am 24. September 1332 in Scone zum König krönen liess. Obwohl Edward kaum Unterstützung fand und bald darauf auch geschlagen wurde, befand sich Schottland nach seinem Putschversuch in völliger Unordnung. Diese Möglichkeit zur Intervention konnte nun Edward III. von England für sich nützen.
Schon 1332 hatte Edward III. von England dem Schotten Edward Balliol Unterstützung zugesagt. Im Gegenzug hatte Edward Balliol den englischen König als Overlord über Schottland anerkennen wollen und hatte ihm weitreichende Ländereien in Schottland versprochen, die alle dauerhaft an England übereignet werden sollten. Zu diesen Ländereien gehörten die Bezirke in Berwick, Roxburgh, Selkirk, Peebles, Edinburgh und Dumfries, sowie die Wälder von Ettrick und Jedburgh. Nachdem nun Edward Balliol in Schottland seine Unterstützung verloren hatte, war die Situation für den englischen König immer noch günstig, da Schottland ohne Regierung war und in mehreren Teilen des Landes Aufruhr herrschte. Es ist schwierig zu schätzen, welchen Rückhalt Edward Balliol in Schottland gewinnen und in wie weit die Regierungsgewalt von David II. und seinen Anhängern wiederhergestellt werden konnte, da die Quellenbasis zu dürftig ist. Jedenfalls hatten die Schotten Edward Balliol vertreiben können und wahr gemacht, was in der Declaration of Arbroath propagiert wurde: keinen König zu unterstützen, der nicht für die schottische Sache einstehen würde.
Edward III. von England nutzte die
augenblickliche Schwäche der Schotten und marschierte 1333 nach Berwick. Das gesamte Lowland stand unter englischer Kontrolle. David
wurde vorsorglich nach Frankreich in Sicherheit gebracht, neuer Regent wurde Robert Stuart. Er machte sich sofort daran, die Rebellion zu
beenden und das Lowland zu grossen Teilen zurück zu erobern. David kehrte 1341 nach Schottland zurück und übernahm die
Regierungsgeschäfte. England war im Hundertjährigen Krieg voll in Anspruch genommen - Schottland bekam eine nötige Ruhepause.
Im Jahre 1346 wurden die Franzosen bei Crecy geschlagen und Frankreich bat Schottland um Hilfe. David griff England erneut an. Die Schotten wurden bei Neville's Cross bei Durham geschlagen und David wurde nach der Schlacht gefangen genommen und musste die nächsten elf Jahre in englischer Gefangenschaft verbringen. Wieder standen die Lowlands unter englischen Kontrolle und Edward Balliol versuchte Glasgow zu erobern. Aber er scheiterte erneut, da er nicht genug Unterstützung bei den Schotten gewinnen konnte. Dennoch war für König Edward III. von England die Situation nicht zufriedenstellend, da die nördliche Grenze Englands immer noch in Gefahr war und der Druck aus Frankreich anwuchs. Edward Balliol überließ seine gesamten Titel und Ländereien am 21. Januar 1356 Edward III. von England, jedoch hatte dies für die reale politische Situation nur theoretische Bedeutung. So hatte auch die englischfreundliche Scheinregierung in Schottland ein Ende gefunden. Edward III. schloss aus diesem Grund mit David im Vertrag von Berwick 1357 einen zehnjährigen Waffenstillstand und Schottland musste ein Lösegeld von 100 000 Marks für David aufbringen, zahlbar in Raten zu 10 000 Marks - bei einem Jahreseinkommen der Krone von maximal 15 000 Marks. Der Vertrag löste nicht die Probleme, die zwischen den Königreichen Schottland und England entstanden waren und auch nicht die Streitfragen, die durch einen über sechzig Jahre andauernden Krieg zwischen beiden Ländern aufgeworfen wurden, aber er brachte einen Waffenstillstand, der über zwanzig Jahre andauern sollte. Die durch die hohe Summe nun eintretende wirtschaftliche Krise wurde noch zusätzlich durch die Pest verstärkt. Für
David wurde die Regierungstätigkeit immer schwieriger - die vielen Probleme schienen unlösbar zu sein.
David kehrte Schottland den Rücken und ging nach England. Dort vereinbarte er mit dem englischen König, seinen Sohn zum neuen König
von Schottland zu machen. Der schottische Adel lehnte diese Wahl aber völlig ab. Als David II. im Februar 1371 plötzlich starb, fand die direkte Linie des Hauses Bruce ein Ende. Nachfolger wurde König Robert II. aus dem Haus Stewart, der in Davids Abwesenheit Guardian von Schottland gewesen war und schon von Robert the Bruce zum möglichen Nachfolger bestimmt worden war.
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| Das Haus Stuart |
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weiter...
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